Der Vorstand der Feuerwehrgesellschaft bei der Deligiertenversammlung vom 10.03.2006

 

Fahnenspruch

Feuerwehrgesellschaft von 1865 zu Angermünde e.V.

 

 

 

 

Fahnenspruch zum 22. September 2000

 

 

 

 

1. Redner

2. Redner

Gemeinsamer Teil

Bist Du jemals
den Augen eines Menschen begegnet, dessen Wohnung gerade ausgebrannt ist?

Bist Du jemals
nach der Nacht des Kampfes gegen ein Großfeuer verschwitzt, verraucht und erschöpft
am Arbeitsplatz erschienen?

Bist Du jemals
auf schmerzenden Knien und Handflächen durch nachtschwarz
verqualmte Häuser gekochen, ein 16 kg schweres Atemschutzgerät auf dem Rücken, wasservolle
Schläuche hinter Dir herschleppen, bis stets zunehmender Hitze und Angst vor einer
Durchzündung im Nacken?

Bist Du jemals
in Wald und Flur vom Feuer gejagt, eingekesselt und übersprungen worden?

Hast Du jemals
einen verkohlte Wohnung nach vermissten Kindern durchsucht?

Hast Du jemals
ein Brandopfer aus einer Wohnung getragen?

Hast Du jemals in das Gesicht einer Mutter geblickt, deren einzigen Sohn Du
gerade tot aus seinem Auto geborgen hast?

Hast Du jemals
innere Zwiesprache gehalten mit einem Mädchen, dessen Überreste Du gerade aus seinem
verbrannten Auto bergen mußt?

Weißt Du
von der Angst um die Kameraden, die sich gerade in Gefahr begeben müssen?

Weißt Du
wie es ist wenn der Boden unter Dir nachgibt?

Weißt Du
wie es ist, wenn eine Zimmerdecke über Dir einbricht?

Weißt Du
wie es ist, weinende Menschen aus ihrer Wohnung treiben zu müssen weil das Feuer
Ihr Haus ergriffen hat?

Weißt Du
wie es ist, in ein zertrümertes Auto zu kriechen, um die Insassen zu befreien?

Kennst Du
den Geschmack des Feuers, den Geschmack von Ruß, von Rauch von verbranntem Kunststoff,
wenn sich alles erst auf deine Schleimhäute gelegt hat?

Kennst Du
die intensive Hitze eines Feuers, die Dir ins Gesicht springt, den heißen Dampf
des Löschwassers, der Dich durchdringt bis auf die Haut bis Dein Schweiß in Bächen
von Dir fließt?

Kennst Du das Prasseln, das Pfeiffen, das Atmen, das hässliche Gelächter des roten Hahns?

Ich wünschte Du wüßtest
von meinen Empfindungen, von Angst und Hoffnung bei jedem Alarm.

Ich wünschte Du wüßtest
von der quälenden Spannung während der Anfahrt, von den Gefahren einer Blaulichtfahrt, von der
Ungewissheit über das was Dich erwartet, von der Frage, ob Menschen, ob Kinder in Gefahr sind.

Ich wünschte Du wüßtest
- von meinen seelischen Lasten
- von stehen gelassenem Essen
- von alleingelassenen Familien, Freunden, Geliebten,
- von der unbarmherzigen Rücksichtlosigkeit, mit der jeder Alarm
zu jeder Zeit in unser Leben eindringt.

Ich wünschte Du wüßtest
wie es ist, mit dem heimlichen Gefühl nach Hause zu kommen, diesmal
hätte es Dich beinahe erwischt.

Nur dann weißt Du,
was uns auf Gedeih und Verderb zusammenschweißt, warum wir das alles auf uns nehmen,
warum unsere Freundschaften so unverbrüchlich sind, warum unsere Gemeinschaft keine
sozialen Unterschiede kennt, keine Rassen, keine Religionen, keine Nationen.

Nur dann weißt Du
wie unermeßlich der Triumph ist, wenn wir schneller waren als der Tot, schneller als der rote Hahn.

Nur dann verstehst Du,
wozu wir heute diese Fahne weihen, als Band der Freundschaft, dass über 135 Jahre alle Frauen
und Männer dieser Wehr und alle Feuerwehrleute dieser Welt verbindet.

 

Wir weihen Dich Fahne!
wir versprechen feierlich, dass wir uns unter Dir versammeln, wann immer Leib, Leben, Hab
und Gut unserer Mitmenschen in Gefahr sind.

Steh uns bei Fahne, mit Gottes Hilfe!